Die Sprache der Mumuye

Als Peter und Ruth Kr√ľsi ihre Spracharbeit im Jahre 1967 in Lankaviri begannen, waren sie mit einer fast monolingualen Situation konfrontiert. Die Kr√ľsis verstanden etwas Ibo, aber kein Hausa und die Leute selber sprachen kein Englisch. Nur einige Schulkinder kannten einige Englische W√∂rter, doch auf ihre √úbersetzungsversuche konnte man sich nicht verlassen.

Es gab keinen anderen Weg, als sich bei den Leuten aufzuhalten und ihnen zuzuhören. Sobald die Bedeutung eines Wortes oder eines Satzes klar war, wurde es in phonologischer Schrift festgehalten. Eine Art von Durchbruch erlebten wir, als wir den Satz "was ist das?" herausfanden. In Mumuye heisst das "We vi ya".

Jetzt begann Ruth, w√§hrend sie diesen Satz sagte, auf alle m√∂glichen Dinge zu zeigen um ihren Namen herauszufinden. Sobald sie das Erfragte richtig nachsagen konnte, wurde es ins Heft eingeschrieben. Am besten ging das, wenn die Frauen zusammen sassen, Erdn√ľsse √∂ffneten und miteinander redeten

 

Sprache lernen in einer monolingualen Situation  
 

Als nächster Schritt musste das gesammelte Material analysiert werden. Wir fanden einige sehr interessante Dinge in der Mumuye Sprache. Einige sind auch in andern afrikanischen Sprachen bekannt, andere waren allein in Mumuye zu finden.

Sanvo, unser erster Sprachhelfer
Anf√§nglich hatten wir einige Schwierigkeiten im Unterscheiden der verschiedenen bs. Wir merkten bald, dass neben dem normalen b und p noch Doppelverschlusslaute wie gb und kp existierten. Aber worum handelte es sich bei der dritten Art? Wir h√∂rten den Leuten zu und versuchten bari zu sagen, das Wort f√ľr "kleiner Kochtopf". F√ľr l√§ngere Zeit schafften wir es nicht, das Wort korrekt auszusprechen. Doch schliesslich kam mir eine Idee. Ich bat Sanvo, unsern Sprachhelfer, das Wort bono (Vorratsraum) auszusprechen. W√§hrenddem er es sagte, hielt ich ihm einen Strohhalm zwischen die Lippen, in welchem sich ein Z√ľndholz befand. Das Z√ľndholz schoss aus dem Strohhalm heraus. Das war ein Beweis, dass es sich bei bono um ein explosives (normales) b handelte. Ohne ihn zu warnen bat ich ihn, dasselbe noch einmal zu tun, doch dieses Mal solle er bari (kleiner Kochtopf) sagen. Das Resultat war dramatisch. Sanvo begann zu husten und zu w√ľrgen, w√§hrend er versuchte, das Z√ľndholz aus seinem Hals heraus zu bekommen. Das machte alles klar: bari wird mit einem implosiven b ausgesprochen (die Luft str√∂mt nicht zum Mund hinaus, sondern hinein). Darum wird das implosive b mit einem kleinen, nach vorn schauenden Haken geschrieben.

Andere Merkmale der Mumuye Sprache:

Stammesgeschichten eines originellen einheimnischen Erzählers werden auf Band aufgenommen

1973: Erste Testklasse. Männer und Frauen lesen und schreiben in ihrer eigenen Sprache

zum Anfang

Ruth transscribiert die Geschichten mit einigen Sprachhelfern
[Bayeh und Kere] [Das Projekt] [Leute und Kultur] [Sprache] [√úbersetzung] [Kontakt/ Links]